Auch Bestatter lachen herzhaft

Peter Wilhelm, Buchautor, über einen Beruf, der in Münnerstadt erlernbar ist

Er gilt als Deutschlands bekanntester Bestatter. Dabei führt Peter Wilhelm seit langem kein Bestattungsunternehmen mehr, sondern ist Buchautor, Journalist und Internet-Blogger. Sein jüngstes Buch trägt den Titel „Darf ich meine Oma selbst verbrennen?“ Es wurde schnell zum Bestseller. Wie jedem aus der Bestattungsbranche, ist ihm Münnerstadt ein Begriff.

Frage: Herr Wilhelm, Sie sind Psychologe und gelten als der bekannteste Bestatter Deutschlands. Wie haben Sie sich diesen Ruf erworben?Peter Wilhelm: Seit vielen Jahren führe ich das preisgekrönte Bestatterweblog unter www.bestatterweblog.de. Dort können Menschen Fragen zum Thema Tod, Trauer und Bestattung stellen und erhalten kompetente Antwort. Das Bestatterwebblog ist eines der meistgelesenen Berufsblogs im gesamten deutschsprachigen Raum und da bleibt ein gewisser Bekanntheitsgrad nicht aus. Auch durch Autorenlesungen in der ganzen Republik kennt man mich als „den Bestatter“, obwohl ich immer gleich zu Anfang sage, dass ich schon seit einigen Jahren nicht mehr mit einem eigenen Bestattungsinstitut präsent bin, sondern mich wieder auf meine eigentliche Profession als Publizist besonnen habe. Den Titel „Deutschlands bekanntester Bestatter“ hat mir wohl der mdr verliehen, bei dem ich recht häufig in Ratgebersendungen als Gast zu sehen bin.

Der Tod ist ja eine sehr traurige Angelegenheit. Bestatter sieht der Außenstehende immer in schwarzen Anzügen und mit Leichenbittermiene durch die Welt gehen. Kann man als Bestatter denn Humor haben, kann man sich in diesem so ernsten Beruf Humor leisten?Wilhelm: Bestatter laufen keineswegs so herum. Heutzutage sind Bestatter und vor allem die Bestatterinnen durchaus angemessen und pietätvoll etwas weniger eintönig als nur in Schwarz gekleidet. Und die Leichenbittermiene ist ein durch Fernsehen und Film geprägtes Vorurteil. Natürlich gehen die Bestatter mit Ernst und Sachlichkeit zu Werk, aber sie sind dennoch meist humorvolle Menschen, die mit beiden Beinen im Leben stehen. Ein Kollege von mir, der bekannte Kölner Bestatter Christoph Kuckelkorn, schafft sogar den Spagat zwischen der Arbeit als Bestatter und dem Leiter des Kölner Rosenmontagszugs. Nein, Bestatter haben durchaus auch Humor, alles andere ist ein Vorurteil.

Als Bestatter muss man sich um ungeheuer viel Trauriges kümmern. Man wird aber auch mit sehr skurrilen und seltsamen Fragen rund um das Sterben konfrontiert, wie Ihr neuestes Buch „Darf ich meine Oma selbst verbrennen?“ zeigt. Nennen Sie uns einige Beispiele besonders seltsamer Fragen!Wilhelm: Nun, die Frage nach dem Selbstverbrennen der Oma ist wohl das Highlight. Da hatte sich jemand in Ostdeutschland einen Brotbackofen zugelegt und ernsthaft bei mir angefragt, ob er eines Tages die Oma darin selbst verbrennen könne, um die Gebühr für das Krematorium zu sparen. Meine Antwort: „So lange die Oma lebt, nicht!“ Die Menschen haben vielfach völlig falsche Vorstellungen von dem, was rund um eine Bestattung passiert. Weil sich niemand gerne an seine eigene Vergänglichkeit erinnert fühlen möchte, ist das Thema Tod, Trauer und Bestattung in unserer Gesellschaft ein Tabuthema. Da ist es nicht verwunderlich, wenn die Menschen manchmal aus Unkenntnis auf schräge Fragen kommen. Aber auch ein anderer Aspekt ist wichtig: Im Zustand der Trauer ist man oft von Schwermut übermannt und durch die Situation überfordert. In diesem Zustand kommen dann Fragen und Ideen, die losgelöst von der jeweiligen Situation durchaus erheiternd wirken können.

Haben Bestatter genug Humor für so ein Buch, das die eher skurrilen Seiten des Todes auf die Schippe nimmt?Wilhelm: Gerade Bestatter sind es, die diese Bücher lieben. Meine Bücher greifen Fragen auf, die auch alle anderen Bestatter so oder zumindest so ähnlich Tag für Tag erleben. Ich habe körbeweise Dankes- und Fanschreiben ausgerechnet von Bestattern und deren Mitarbeitern, die sich köstlich amüsiert haben und sich vor allem richtig dargestellt sehen.

Münnerstadt ist als Ausbildungszentrum für Bestatter deutschlandweit bekannt. Hatten sie schon Kontakt zu Stadt und Bestatterzentrum?Wilhelm: Meine Auszubildenden lernten immer den Beruf des Bürokaufmanns mit dem Schwerpunkt Bestattungswesen. Es gab bis vor wenigen Jahren gar keine geeignete Ausbildung für junge Menschen in diesem Beruf. Die meisten Bestatterbetriebe sind ja aus Schreinereien oder Fuhrunternehmen hervorgegangen, deren Inhaber eher einen handwerklichen Hintergrund haben. Heutzutage ist der Beruf des Bestatters aber quasi der des Eventmanagers des Todes. Er organisiert große bis sehr große Familienfeierlichkeiten, wenn auch aus einem traurigen Anlass, und kümmert sich nicht mehr nur allein um Sarg und Transport, sondern hat eine Vielzahl behördlicher Arbeiten und Erledigungen durchzuführen, die ein umfangreiches Fachwissen erforderlich machen. Da ist es nur zu begrüßen, dass das Ausbildungszentrum in Münnerstadt dem Nachwuchs eine gute Ausbildung ermöglicht. Gleich als diese Möglichkeit geschaffen wurde, habe ich eine Auszubildende dorthin geschickt. Sie hat den Abschluss als Bestattungsfachkraft auch mit einem exzellenten Ergebnis erhalten. Nach wie vor finde ich es gut, wenn junge Bestatter auch nur im Betrieb ausgebildet werden. Manche Betriebe verfügen über ein so großes Leistungsspektrum, dass sie das durchaus auch in Eigenregie machen können. Aber als überbetriebliche Ausbildung, wenn der Betrieb eher kleiner ist und wenn der Berufsabschluss als Bestattungsfachkraft angestrebt wird, ist das Ausbildungszentrum in Münnerstadt heute unverzichtbar.

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